IG Metall fordert Erhalt der Münchner Forschungsexpertise - 70 Hightech-Arbeitsplätze und EU-Projekte bedroht
Der finnische Netzwerkausrüste Nokia (NYSE:NOK / HEL:NOKIA) hat angekündigt, den Forschungs- und Entwicklungsstandort seines Tochterunternehmen Coriant/Infinera in München bis 2030 zu schließen. Von dieser Entscheidung sind rund 70 hochqualifizierte Beschäftigte betroffen. Insgesamt will Nokia in München bis 2030 also 770 Arbeitsplätze abbauen.
Coriant/Infinera München zählt zu den wenigen Betrieben weltweit, die hochspezialisierte optische Übertragungstechnik entwickeln – das digitale Rückgrat der globalen Kommunikation. Auch Rechenzentren, insbesondere Hyperscaler, sind auf die in München entwickelte Glasfasertechnologie angewiesen.
„Der Standort bündelt seltene Expertise in Photonik und optischer Übertragungstechnik“, erklärt Daniele Frijia, Geschäftsführer der IG Metall München. „Ein Wegfall würde Deutschlands und Europas Position in der Glasfasertechnologie erheblich schwächen.“
Vor allem jungen Kollegen arbeiten in EU-Förderprojekten. Die Schließung gefährdet zugesagte Beiträge und Fördermittel. „Diese geistige Wertschöpfung darf nicht ins Ausland verlagert werden. Auch ein Fördermittel-Hopping bei der Verlagerung ins Ausland muss verhindert werden. Was an Hardware-Entwicklung abgezogen wird, lässt sich nur schwer wieder aufbauen.“, so Frijia.
IG Metall fordert den Erhalt des Standorts und ruft Politik und Unternehmen zum Handeln auf, um die Zukunft der Glasfasertechnologie in Deutschland und Europa zu sichern.
Hintergrund-Information zur Münchner Coriant/Infinera Entwicklungsgesellschaft
Zu Zeiten von Nokia Siemens Networks abgespalten als Coriant an ein Private Equity-Unternehmen. Später durch die Infinera gekauft. Nach harter Konsolidierung verlieb ein Entwicklungsstandort in München. Durch den Kauf der Infinera durch die Nokia-Gruppe gehört der Standort nun wieder zur Nokia-Unternehmensgruppe.
Der Standort brilliert mit seinem Entwicklungsbeitrag für die Produkte sowohl auf dem physikalischen Übertragungslayer (L0) als auch für die Reichweitenoptimierte Modulation der digitalen Signale (L1).
Sie ist und war Teil einiger EU- und Bundes-Förderprojekte, wie z.B. ALLEGRO, SUMERSE, QuNEST, POTEUS-6G, NESTOR, SEASON, SENSEI, EMPOWER-6G, OPTIMUX, INTENSE oder ECSTATIC.
Weiterführende Links:
EU Projekt-Datenbank: https://cordis.europa.eu/projects
Projektseiten des BMBF:
https://www.forschung-it-sicherheit-kommunikationssysteme.de/projekte/optimux
https://www.forschung-it-sicherheit-kommunikationssysteme.de/projekte/intense