Pressemitteilung Unbefristeter Streik bei Mahle in Neustadt gestartet

Bevollmächtigter Irmischer: „Die Verantwortung für diese Eskalation trägt allein das Management." Bezirksleiter Ott: „Wenn profitable Werke geschlossen werden, ohne ernsthaft nach Alternativen zu suchen, gerät das Vertrauen in unternehmerische Verantwortung in Deutschland insgesamt ins Wanken.“

Bild Streik Mahle

27. Mai 2026 27. Mai 2026


Unbefristeter Streik bei Mahle in Neustadt gestartet

 

  • Bevollmächtigter Irmischer: „Die Verantwortung für diese Eskalation trägt allein das Management."
  • Bezirksleiter Ott: „Wenn profitable Werke geschlossen werden, ohne ernsthaft nach Alternativen zu suchen, gerät das Vertrauen in unternehmerische Verantwortung in Deutschland insgesamt ins Wanken.“

Bei Mahle in Neustadt an der Donau ein unbefristeter Streik mit einer großen Auftaktkundgebung begonnen. Mehr als 400 Beschäftigte sowie Unterstützerinnen und Unterstützer versammelten sich vor den Werkstoren und errichteten Streikposten. Die Produktion ist vollständig zum Erliegen gekommen.

Mit dem Arbeitskampf senden die Beschäftigten ein klares und unübersehbares Signal an die Unternehmensführung, die das Werk im ersten Halbjahr 2027 schließen und die Produktion von Klimaanlagen für Autos aller Antriebsarten für die Kunden BMW, Porsche, Volvo und Jaguar Land Rover in die Slowakei will – obwohl es profitabel ist. Die Beschäftigten sind entschlossen, mit aller Kraft für ihre Arbeitsplätze und den Erhalt des Standorts zu kämpfen.

„Die Beschäftigten werden den Betrieb so lange stilllegen, bis sich das Unternehmen endlich bewegt“, erklärt Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. „Die Verantwortung für diese Eskalation trägt allein das Management, das seit Wochen ernsthafte Verhandlungen über eine Zukunftsperspektive für den Standort ins Leere laufen lässt.“ Die IG Metall hatte umfassende und tragfähige Konzepte vorgelegt, um das wirtschaftlich erfolgreiche Werk in Neustadt langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen. Auch die vierte Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag – auf Initiative der IG Metall zustande gekommen – blieb ergebnislos. „Damit hat das Unternehmen seine letzte Chance vertan, den Streik noch abzuwenden“, so Irmischer.

Die IG Metall fordert für die über 400 Beschäftigten am Standort Neustadt einen Zukunftstarifvertrag, der Perspektiven sichert, oder einen Sozialtarifvertrag. In einer Urabstimmung hatten sich Ende vergangener Woche 98,4 Prozent der IG Metall-Mitglieder für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Bereits zuvor hatten mehrere Warnstreiks und ein 24-Stunden-Streik gezeigt, wie hoch die Entschlossenheit der Belegschaft ist.

Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern: „Während hier qualifizierte und motivierte Fachkräfte um ihre Zukunft kämpfen, werden Produktionen aus rein kostengetriebenen Motiven verlagert. Das ist wirtschaftlich kurzsichtig und sozial verantwortungslos.“ Er betont die grundsätzliche Bedeutung des Konflikts: „Dieser Streik geht weit über einen einzelnen Standort hinaus. Wenn profitable Werke hierzulande geschlossen werden, ohne ernsthaft nach Alternativen zu suchen, gerät das Vertrauen in unternehmerische Verantwortung in Deutschland insgesamt ins Wanken.

Mahle will zur schnellen Schließung des Werks in Neustadt die Produktion für Volvo vorübergehend sogar komplett nach China verlagern und die Teile von dort nach Deutschland sowie in Volvo-Werke in Schweden und Belgien zurückliefern. Langfristig soll die gesamte Produktion in die Slowakei gehen, muss dort aber erst noch aufgebaut werden.

Die Solidarität für die Mahle-Beschäftigten und ihrer Forderung ist groß. Zahlreiche Beschäftigte aus Werken der Region und Regensburg, unter anderem von Krones, Siemens, Schaeffler und Audi, kamen zum Streikauftakt nach Neustadt. Auch Beschäftigte aus anderen Mahle-Standorten unterstützten die Kolleginnen und Kollegen aus Neustadt solidarisch vor Ort. Karola Frank, ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IG Metall, erklärte auf der heutigen Kundgebung, dass die Mahle-Beschäftigten in ihrem Kampf um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze nicht alleinstehen. „Die gesamte IG Metall steht fest und solidarisch an eurer Seite“, betonte sie. „Es gibt eine Alternative zu einer Schließung – nämlich keine Schließung. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten, dass das Management jegliche Bereitschaft zur Lösungssuche missen lässt.“

Peter Meier, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission, betont: „Der Zusammenhalt unter den Beschäftigten ist riesig – das trägt diesen Streik. Die Kolleginnen und Kollegen wollen arbeiten, Produktion sichern und Zukunft gestalten. Sie haben über Jahre hinweg unter schwierigen Bedingungen Höchstleistungen erbracht – und werden sich nicht geräuschlos aus dem Betrieb drängen lassen.“

Trotz der Eskalation bleibt die IG Metall gesprächsbereit: „Eine Lösung ist nach wie vor möglich. Für Verhandlungen zum Erhalt der Arbeitsplätze stehen unsere Türen jederzeit offen“, betont Irmischer. „Doch bis zu einer Lösung bleiben die Werkstore dicht.“

 

Hintergrund:
Im Februar hatte Mahle den gemeinsamen Zukunftsprozess für den Standort mit der IG Metall und dem Betriebsrat gebrochen, indem Mahle sich im Alleingang um einen Verkauf des Betriebsgeländes und der Werkshallen bemüht hatte. Vor zwei Wochen kündigte Mahle die Schließung des Werkes in Neustadt im ersten Quartal 2027 an.

Ansprechpartner:
Rico Irmischer (1. Bevollmächtigter IG Metall Regensburg): 0160/533 16 91

Angelika Kahl
Öffentlichkeitsarbeit
IG Metall Bezirk Bayern

Werinherstraße 89b
81541 München

Telefon: +49 (0)89 53 29 49 42
Mobil: +49 (0)160 533 17 68
Mail: angelika.kahl@igmetall.de

bayern.igmetall.de
instagram.com/igmetallbayern
facebook.com/IGMetallBayern
linkedin.com/company/igmetall-bayern